Luftfeuchtigkeit berechnen: Formeln und Anleitung

Überblick der psychrometrischen Gleichungen: Sättigungsdampfdruck (Buck, Magnus), Wassergehalt, Enthalpie, Taupunkt und Dichte. Mit Beispielen.

Alle Größen feuchter Luft – relative Luftfeuchtigkeit, Wassergehalt, Enthalpie, Taupunkt – sind über ein einziges System thermodynamischer Gleichungen miteinander verbunden. Kennen Sie zwei beliebige unabhängige Größen (etwa Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit), berechnen Sie daraus alle übrigen. Dieser Beitrag liefert einen vollständigen Überblick der psychrometrischen Gleichungen mit Zahlenbeispielen, damit der Leser jede Berechnung nachprüfen oder in einer Tabellenkalkulation bzw. einem Programm umsetzen kann.

Wassergehalt-Rechner

Temperatur und relative Feuchte eingeben — Wassergehalt, Taupunkt und Dampfpartialdruck berechnet derselbe Rechenkern wie in der PsychroView-App (ASHRAE Fundamentals 2021, Druck 101,325 kPa).

Wassergehaltxx8,78 g/kg

Taupunkttemperatur 12,0 °CWasserdampfpartialdruck 1,410 kPa

In der App öffnen →

Schritt 1: Sättigungsdampfdruck pws(ϑ)p_{ws}(ϑ)

Alles beginnt mit dem Sättigungsdampfdruck pws(ϑ)p_{ws}(ϑ) [Pa] – dem maximalen Wasserdampf-Partialdruck bei der Temperatur ϑϑ. Er steigt mit der Temperatur exponentiell und ist die physikalische Grundlage der gesamten Psychrometrie.

Buck-Gleichung (für die Praxis empfohlen, über flüssigem Wasser):

pws(ϑ)=611,21⋅exp⁡ ⁣[(18,678−ϑ234,5)⋅ϑ257,14+ϑ][Pa]p_{ws}(ϑ) = 611{,}21 \cdot \exp\!\left[\left(18{,}678 - \frac{ϑ}{234{,}5}\right) \cdot \frac{ϑ}{257{,}14 + ϑ}\right] \quad \text{[Pa]}

Für ϑ=20 ∘Cϑ = 20\ ^{\circ}\text{C}: pws=611,21⋅exp⁡(1,342)≈2 338 Pap_{ws} = 611{,}21 \cdot \exp(1{,}342) \approx 2\,338\ \text{Pa}. Der Fehler gegenüber den genauen IAPWS-95-Tabellen liegt bei < 0,02 % im Bereich 0–50 °C.

Magnus-Näherung (schnelle Abschätzung):

pws(ϑ)≈610,78⋅exp⁡ ⁣(17,269⋅ϑ237,29+ϑ)[Pa]p_{ws}(ϑ) \approx 610{,}78 \cdot \exp\!\left(\frac{17{,}269 \cdot ϑ}{237{,}29 + ϑ}\right) \quad \text{[Pa]}

Für ϑ=20 ∘Cϑ = 20\ ^{\circ}\text{C}: pws≈2 338 Pap_{ws} \approx 2\,338\ \text{Pa}. Der Fehler gegenüber der Buck-Gleichung liegt bei < 0,1 % für 0–40 °C – beide Näherungen decken sich in diesem Bereich praktisch.

Schritt 2: Wasserdampf-Partialdruck pwp_w

pw=φ⋅pws(ϑ)[Pa]p_w = \varphi \cdot p_{ws}(ϑ) \quad \text{[Pa]}

wobei φ\varphi die relative Luftfeuchtigkeit als Dezimalzahl ist. Für ϑ=20 ∘Cϑ = 20\ ^{\circ}\text{C} und φ=0,60\varphi = 0{,}60: pw=0,60⋅2 338=1 403 Pap_w = 0{,}60 \cdot 2\,338 = 1\,403\ \text{Pa}.

Schritt 3: Wassergehalt x

x=0,62198⋅pwpatm−pw[kg/kg]x = 0{,}62198 \cdot \frac{p_w}{p_{\text{atm}} - p_w} \quad \text{[kg/kg]}

wobei patm=101 325 Pap_{\text{atm}} = 101\,325\ \text{Pa}. Für pw=1 403 Pap_w = 1\,403\ \text{Pa}:

x=0,62198⋅1 403101 325−1 403≈0,00873 kg/kg=8,73 g/kgx = 0{,}62198 \cdot \frac{1\,403}{101\,325 - 1\,403} \approx 0{,}00873\ \text{kg/kg} = 8{,}73\ \text{g/kg}

Die Konstante 0,62198 ist das Verhältnis der molaren Massen von Wasser und trockener Luft (18,015 / 28,966). In Höhenlagen setzen Sie den tatsächlichen Atmosphärendruck ein; wie stark sich dadurch sämtliche psychrometrischen Ergebnisse verschieben, wird leicht unterschätzt.

Der Rechner am Anfang des Artikels zeigt für dieselbe Luft 8,78 g/kg statt 8,73. Er berücksichtigt zusätzlich den Korrekturfaktor f≈1,005f \approx 1{,}005 nach ASHRAE (Enhancement Factor): Wasserdampf in Luft verhält sich nicht ganz wie ein ideales Gas, was pwp_w um etwa ein halbes Prozent anhebt. Das liegt unter der Genauigkeit jedes Feuchtesensors; für die Handrechnung genügt die einfache Formel.

Schritt 4: Relative Luftfeuchtigkeit φ aus x und Temperatur

φ=x⋅patm(0,62198+x)⋅pws(ϑ)\varphi = \frac{x \cdot p_{\text{atm}}}{(0{,}62198 + x) \cdot p_{ws}(ϑ)}

Für x=0,00873 kg/kgx = 0{,}00873\ \text{kg/kg} und ϑ=20 ∘Cϑ = 20\ ^{\circ}\text{C}: φ=0,00873⋅101 3250,63071⋅2 338≈0,600=60,0 %\varphi = \dfrac{0{,}00873 \cdot 101\,325}{0{,}63071 \cdot 2\,338} \approx 0{,}600 = 60{,}0\ \% – entspricht dem Eingabewert.

Schritt 5: Enthalpie feuchter Luft h

h=cpa⋅ϑ+x⋅(r0+cpv⋅ϑ)[kJ/kg tr. L.]h = c_{pa} \cdot ϑ + x \cdot (r_0 + c_{pv} \cdot ϑ) \quad \text{[kJ/kg tr. L.]}

mit cpa=1,006 kJ/(kg⋅K)c_{pa} = 1{,}006\ \text{kJ/(kg·K)}, cpv=1,860 kJ/(kg⋅K)c_{pv} = 1{,}860\ \text{kJ/(kg·K)} und r0=2 501,0 kJ/kgr_0 = 2\,501{,}0\ \text{kJ/kg}:

h=1,006⋅20+0,00873⋅(2 501+1,860⋅20)=20,12+22,16=42,28 kJ/kgh = 1{,}006 \cdot 20 + 0{,}00873 \cdot (2\,501 + 1{,}860 \cdot 20) = 20{,}12 + 22{,}16 = 42{,}28\ \text{kJ/kg}

Der Wert entspricht den ASHRAE-Fundamentals-Tabellen für Luft bei 20 °C / 60 % r. F. Ausführlich im Beitrag Enthalpie feuchter Luft.

Schritt 6: Taupunkt ϑτϑ_{τ}

Inverse Magnus-Gleichung, für pw>611 Pap_w > 611\ \text{Pa}:

ϑτ=243,04⋅γ17,625−γ,γ=ln⁡ ⁣(pw610,94)[°C]ϑ_{τ} = \frac{243{,}04 \cdot \gamma}{17{,}625 - \gamma}, \qquad \gamma = \ln\!\left(\frac{p_w}{610{,}94}\right) \quad \text{[°C]}

Für pw=1 403 Pap_w = 1\,403\ \text{Pa}: γ=ln⁡(1 403/610,94)=0,8314\gamma = \ln(1\,403 / 610{,}94) = 0{,}8314, also ϑτ=243,04⋅0,831417,625−0,8314≈12,0 ∘Cϑ_{τ} = \dfrac{243{,}04 \cdot 0{,}8314}{17{,}625 - 0{,}8314} \approx 12{,}0\ ^{\circ}\text{C}. Siehe Taupunkt.

Die Buck-Gleichung lässt sich in dieser Form nicht invertieren — für die Rückrechnung der Temperatur aus dem Dampfdruck dient die Magnus-Näherung (17,625 / 243,04), wie im Beitrag zum Taupunkt.

Schritt 7: Dichte feuchter Luft ρ

ρ=(1+x)⋅patmRa⋅T⋅(1+1,6078⋅x)[kg/m3]\rho = \frac{(1 + x) \cdot p_{\text{atm}}}{R_a \cdot T \cdot (1 + 1{,}6078 \cdot x)} \quad \text{[kg/m}^3\text{]}

mit Ra=287,058 J/(kg⋅K)R_a = 287{,}058\ \text{J/(kg·K)} und der absoluten Temperatur TT [K]. Für 20 °C / 60 % r. F.: ρ≈1,198 kg/m3\rho \approx 1{,}198\ \text{kg/m}^3. Die Dichte feuchter Luft ist stets geringer als die trockener Luft (1,205 kg/m³ bei 20 °C) – feuchte Luft ist leichter, was die physikalische Grundlage der konvektiven Bewegungen in der Atmosphäre ist.

Der Term (1+x)(1 + x) im Zähler ist wesentlich: ohne ihn erhält man den Kehrwert des spezifischen Volumens je Kilogramm trockener Luft (1/v ≈ 1,188 kg/m³), nicht die Dichte feuchter Luft. Der Rechenkern von PsychroView verwendet dieselbe Beziehung.

Referenzübersicht der Gleichungen

GrößeBeziehung
Sättigungsdampfdruckpws(ϑ)p_{ws}(ϑ) – Buck- oder Magnus-Gleichung
Partialdruckpw=φ⋅pws(ϑ)p_w = \varphi \cdot p_{ws}(ϑ)
Wassergehaltx=0,62198 pw/(patm−pw)x = 0{,}62198\,p_w / (p_{\text{atm}} - p_w)
Relative Luftfeuchtigkeitφ=x patm/[(0,62198+x) pws(ϑ)]\varphi = x\,p_{\text{atm}} / [(0{,}62198 + x)\,p_{ws}(ϑ)]
Enthalpieh=1,006 ϑ+x (2 501+1,860 ϑ)h = 1{,}006\,ϑ + x\,(2\,501 + 1{,}860\,ϑ)
Taupunktinverse Magnus-Gleichung aus pwp_w
Dichteρ=(1+x) patm/[287,058 T (1+1,6078 x)]\rho = (1 + x)\,p_{\text{atm}} / [287{,}058\,T\,(1 + 1{,}6078\,x)]

Das interaktive h,x-Diagramm in PsychroView führt diese Berechnungen sofort für jeden eingegebenen Luftzustand durch.

Häufige Fragen

Welche Gleichung für den Sättigungsdampfdruck sollte man wählen? Für die technische Dokumentation die Buck-Gleichung (Fehler < 0,02 %). Die Magnus-Gleichung ist einfacher und für die meisten ingenieurtechnischen Berechnungen ausreichend (Fehler < 0,5 %).

Warum wird der Wassergehalt auf die trockene Luft bezogen? Weil die Masse der trockenen Luft beim Hinzufügen oder Entziehen von Feuchte gleich bleibt, was Bilanzberechnungen erleichtert. Die Einheit ist g/kg trockener Luft (g/kg tr. L.).

Muss ich die Formeln für eine andere Höhenlage umrechnen? Ja – in den Gleichungen für Wassergehalt, relative Luftfeuchtigkeit und Dichte setzen Sie den tatsächlichen Barometerdruck des Standorts anstelle von 101 325 Pa ein.

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